"So einen Moment habe ich in zehn Jahren Seniorenfußball noch nicht erlebt." - Kilic Görgülü und Julian Philipps im Kabinen-Interview

Zur Saison 2016/17 übernahmen Kilic Görgülü und Julian Philipps das Traineramt von Timo Duchscherer beim FC Steinbach. Im FC-Kabineninterview blicken die beiden auf die gespielte Hinrunde zurück und berichten von ihren ersten Erfahrungen als Trainer.

FCS: Hallo ihr Zwei, im Dezember wird Bilanz gezogen – wie verlief aus eurer Sicht die erste Zeit beim FC?

Kilic: Insgesamt gesehen sehr erfolgreich. Das hätten wir auch nicht erwartet, dass wir mit der ersten Mannschaft 17 Spiele am Stück gewinnen. Und bis auf das Spiel gegen Runkel, bei dem wir Glück hatten, waren wir immer die bessere Mannschaft. Natürlich ist es auch super, dass die zweite Mannschaft so erfolgreich ist und jeder Spieler eine Chance bekommen hat, sich auch in der ersten Mannschaft zu beweisen. Noch dazu kommt, dass wir jeden Spieltag in beiden Mannschaften 15 Spieler zur Verfügung hatten. Außerdem war die Trainingsleistung und Beteiligung überragend. Das zeigt uns den Ehrgeiz der Leute.

 

Julian: Wir sind sehr froh darüber, dass wir viel Unterstützung aus dem Vorstand und dem Spielausschuss bekommen. Charly und Alex Rick leisten hervorragende Arbeit und stehen uns mit Rat und Tat zur Seite. Ein Großteil dieser Arbeit findet neben den Spieltagen statt und wird von vielen gar nicht wahrgenommen. Das macht den Vorstand umso wichtiger für uns. 

 

 

FCS: Für euch ist es die erste Station als Trainer. Wie erlebt ihr die neuen Aufgaben? 

 

Julian: Meine Erfahrungen sind bisher, dass genauso viel Gas gegeben wird wie in der Gruppenliga. Natürlich kann man das spielerische Niveau nicht vergleichen, es macht mir dennoch sehr viel Spaß mit den Jungs zu spielen und zu trainieren.

 

Kilic: Uns ist vor allem aufgefallen, dass unsere taktischen Anweisungen angenommen werden. Dabei versucht jeder Spieler es nach seinem Können und Verständnis umzusetzen. Unser vorgegebenes Spielsystem funktioniert deshalb sehr gut in beiden Mannschaften.

 

FCS: Im Sommer habt ihr die Mannschaft übernommen. Wie haben sich die Spieler entwickelt?

 

Kilic: An dieser Stelle müssen wir noch einmal unseren Vorgänger Timo Duchscherer erwähnen, der hier eine tolle Vorarbeit geleistet hat. Wir sind sehr dankbar, dass er taktische Dinge wie die Viererkette in beiden Mannschaft gut integriert hat. So hat er uns quasi schon eine fertige Mannschaft übergeben und den Start enorm erleichtert.

 

Julian: Vor allem Standardsituationen konnten wir in der Mannschaft verbessern. Wir haben noch kein Gegentor durch einen Standard bekommen, im Gegenzug aber schon viele Tore dadurch erzielen können. Wir haben den Jungs einprägen können, dass durch Standards immer was zu holen ist und wie man diese Chancen besser nutzt. Was uns auch sehr freut ist die Entwicklung der jungen Spieler, die einen immer wichtigeren Platz in der Mannschaft einnehmen und mit der Zeit mit Sicherheit zu Führungsspielern werden.

 

FCS: Mit beiden Mannschaften steht man zum Ende der Hinrunde auf dem ersten Platz. Die erste Mannschaft hat zudem noch kein Spiel verloren und ein Torverhältnis von 98:9. Wie erklärt ihr euch diesen Erfolg?

 

Julian: Wir sind eine geschlossene Mannschaft, allen macht es Spaß und jeder gibt alles auf dem Platz. Klar pusht der Erfolg jeden Einzelnen, aber dafür wurde auch hart gearbeitet. 

 

 

Kilic: Natürlich kann man sagen, wenn der Erfolg da ist ist alles leichter. Aber auch die zweite Mannschaft hat schon Spiele verloren und man merkt nicht, dass die Stimmung dadurch schlechter wird. Niederlagen wie das Pokalspiel gegen Obertiefenbach spornt uns nur weiter an, um in jedem Spiel die beste Leistung abzurufen. Außerdem merkt man den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft, wenn nach dem Training oder den Spielen noch 10 bis 15 Leute zusammensitzen. Das ist für uns unerwartet positiv und so etwas kennen wir auch nicht von jeder Mannschaft, aber die Kameradschaft steht für uns im Vordergrund.

"Wir sorgen schon dafür, dass die Spieler nicht abheben."

FCS: Inwieweit spielt es eine Rolle, dass durch die Erfolge in der Saison auch die Ansprüche des FC Steinbach gewachsen sind?

 

Kilic: Mittlerweile spielt das schon eine Rolle. Wenn mal ein Spiel nicht so läuft, wie man sich es vorstellt, wird auch gerne mal kritisiert oder einzelne Spielsituationen hinterfragt. Wir als Trainer wissen es schon einzuschätzen, dass jedes Spiel schwierig ist, weil jede Mannschaft 20% mehr gegen uns geben will. Aber an dieser Stelle noch mal ein großes Lob an die Mannschaft, die sich in solchen Situationen nicht beirren lässt, wenn der Gegner mal mehr härte zeigt. Die Ansprüche sind natürlich auch dahingehend gewachsen, da man sich durch die Qualität der höherklassigen Spieler andere Ziele setzen kann.

 

FCS: Nach allem, was man von den Spielern und dem Vorstand hört, ist die Harmonie in der Mannschaft und dem Verein zurzeit sehr gut – vielleicht zu gut?

 

Kilic: Wir sorgen schon dafür, dass die Spieler nicht abheben. Jeder bekommt auch mal einen Dämpfer oder das zu hören, was ihm vielleicht nicht so passt. Natürlich sprechen die bisherigen Erfolge für sich, aber wir sind auch dafür da, dass die Jungs auf dem Boden bleiben.

 

FCS: Was war euer bisheriger Höhepunkt im Verein?

Julian: Das Spiel gegen den FV Weilburg war für mich einer der schönsten Siege. Das war die erste Mannschaft, die sehr offensiv gegen uns gespielt hat und auch defensiv gut dagegengehalten hat. Trotzdem konnten wir 3:0 gewinnen. Das zeigt die Qualität der Mannschaft. Nach dem Pokalspiel gegen Obertiefenbach war für mich auch ein Highlight. Dort wurden wir trotz der Niederlage von den Fans gefeiert und saßen noch lange zusammen.

 

Kilic: Das Pokalspiel war für mich auch das Highlight schlechthin. Als wir mit Standing Ovations von den Fans empfangen wurden hatte wahrscheinlich jeder Spieler Gänsehaut. So einen Moment habe ich in zehn Jahren Seniorenfußball noch nicht erlebt. In solchen Situation spürt man den Zusammenhalt des ganzen Vereins.

 

FCS: Gab es für euch schon Momente an denen ihr dachtet: „Willkommen in der C-Klasse“? 

Kilic: Mir fällt da spontan das Norweger-Modell bei der zweiten Mannschaft ein (lacht). So ein System war mir bis zu dem Zeitpunkt völlig unbekannt und ist auch eine kleine Herausforderung. Wenn man Neun-gegen-Neun spielen soll ist das nicht immer so leicht die richtige Aufstellung zu finden.

 

Julian: Für mich war neu, dass die ausgewechselten Spieler wieder eingewechselt werden dürfen. Taktisch gesehen kann das schon ganz gut eingesetzt werden. Ich habe mir die C-Klasse unfairer vorgestellt was Fouls angeht. Bisher ist das jedoch nicht der Fall gewesen.

 

"Wollen an der Serie der Hinrunde anknüpfen."

FCS: Das Rennen um die ersten fünf Aufsteiger in die B-Klasse ist sehr spannend. Wie schätzt ihr die Liga in der Rückrunde ein?

 

Julian: Ich denke, dass sich bei den ersten Fünf Tabellenplätzen nicht mehr viel ändern wird. Diese Mannschaften stehen schon zurecht oben. In der Rückrunde werden sich die Mannschaften auf uns einstellen. Unsere Aufgabe wird dann darin bestehen auf jeden Gegner die richtige Antwort zu haben und unsere Jungs dementsprechend darauf einzustellen.

 

Kilic: Bei der zweiten Mannschaft wird jeder Punkt am Ende wichtig sein. Die oberen Mannschaften stehen seit Jahren nicht mehr so dicht beieinander wie in dieser Saison. Das wird noch ein spannendes Rennen geben. Die erste Mannschaft wird ein hartes Stück Arbeit haben, denn wir wollen an der Serie der Hinrunde anknüpfen und die Saison ungeschlagen beenden.

 

Das Trainerteam und der FC Steinbach wünscht allen Fans und Mitgliedern Frohe Weihnachten und einen guten Start in 2017!

 

 

Das Interview führte Simon Schmortte